Als ich 16 Jahre alt war, erzählte ich meinen Freunden, ich würde später einmal nach Hawai`i gehen – und habe damit fast immer verständnislose Blicke geerntet. Hawai`i? Wo lag das eigentlich? Was wollte ich dort? Und warum gerade Hawai`i? Vieles konnte ich damals nicht genau beantworten. Aber in einem war ich mir absolut sicher: irgendwann würde ich eine Aufgabe auf Hawai`i haben. Jahrzehntelang habe ich mich erstmal um die anderen Dinge in meinem Lebens gekümmert: Abitur, Liebe, Studium, Großstadt, Hobbys, Gründung des eigenen Unternehmens …

Dann, im August 2006, feierte die Tanzschule Träumtänzer den „Aloha-Tag“, ein Fest rund um den hawaiianischen Hula. Die hauseigene Hulagruppe trat auf, es waren Gastgruppen eingeladen, es war mein Geburtstag und es war ein wunderbarer warmer Sommertag. Da war sie wieder: die Sehnsucht nach Hawai`i. Was soll ich sagen. Ich war verzaubert. Hula war für mich eine Offenbarung! Erst weit nach Mitternacht – das Fest war eigentlich schon längst zu Ende – konnten wir uns losreißen von dieser Faszination! Das war mein Hulaanfang.

Hula findet bei mir seitdem nicht nur ein bis zwei Mal die Woche als Training statt, sondern bestimmt seit nun sieben Jahren mein Denken, mein Fühlen, meine Kontakte, meine Gespräche mit Familie und Freunden, meinen Tagesablauf, meine gesamte Lebenseinstellung.

Seit 2009 verbringe ich jedes Jahr einen Monat auf den Hawai`i-Inseln. Ich hatte das Glück, von unterschiedlichen Lehrern in Deutschland und auf den Inseln lernen zu dürfen. Meine ersten wesentlichen Hulaschritte lernte ich von Miron Jakubczyk in Berlin. Es folgten Workshops und Unterricht bei unterschiedlichen Kumu Hula von Hawai`i: Rich Pedrina, Puna Kalama Dawson, Germaine Kaili, Kalei`ula Kaneao und Frank Ka`anana Akima.

Der Hula in Wort, Schrift und tänzerischem Ausdruck ist für mich deshalb zu meinem Zuhause geworden, weil ich in ihm alle mir wichtigen Werte wiederfinde: Bewahren und Neues, Kreativität und Authentizität, Balance und Schönheit, Demut und Zurückhaltung, Klarheit und Disziplin. Hula erlaubt mir, mein Bedürfnis nach Schönheit, Bewegung und Rhythmus zu stillen, meinen Wunsch nach Kommunikation auszuleben, meine Stimme zu trainieren, meinen Forschergeist zu nähren und gleichzeitig bei mir, im Tanz und in der Gruppe zu sein. Geist, Seele und Körper in Balance.